Im Auftrag der Münchener Biennale, einem Festival für zeitgenössisches Musiktheater, komponierte André Werner die Oper "Marlowe: Der Jude von Malta". Er schrieb auch das Libretto. 1996 hat Werner mit der Arbeit an der Oper begonnen und von Anfang an die Idee verfolgt, die Präsenz der Hauptfigur über deren Choreografie und die dadurch initiierte Definition und Veränderung des Bühnenraums hervorzuheben. Konzeption, Gestaltung und Realisierung dieses interaktiven Bühnenraums übernahm das Büro Staubach.

Während bei Christopher Marlowe Machiavelli nur  in einem kurzen Prolog erscheint, ist er im Libretto von André Werner die zentrale Figur des Stückes. Machiavelli sieht sich als Weltenschöpfer, der die Welt nach seinem Plan bewegen und gestalten will. Er, der glaubt das Handeln der Akteure zu bestimmen, scheitert schließlich selbst an seinem Spiel.

Das Bühnenbild wird als virtuelle Architektur projiziert, deren Räume sich laufend verändern, so, als ob man sich in ihnen bewegt, sie durchschreitet  oder neue Räume betritt. Durch den permanenten Wechsel des Blickwinkels wird eine räumliche Wirkung erzeugt, ohne dass die Zuschauer zusätzliche Hilfsmittel wie 3D-Brillen oder Ähnliches benötigen.

Ausgangspunkt ist ein neutraler Raum, von dem aus Machiavelli das Stück Marlowes anstößt und die Maschinerie des Handlungsablaufs in Gang bringt. Für dieses auslösende  Moment wurde eine Art frei schwebendes Bruchstück der realen Spielfläche entwickelt, an das die Figur des Machiavelli örtlich gebunden ist. Von dort setzt er das Spiel in Kraft, greift in dasselbe ein, verändert es und wird schließlich von ihm aufgesogen.

Um den virtuellen Raum als Abbildung der Welt Machiavellis erfahrbar zu machen, wurden die Körperbewegungen des Machiavelli-Darstellers mit der Projektion des virtuellen Raumes in Echtzeit gekoppelt. Als Prinzip dieser Bewegungskopplung wurde der Angelpunkt der virtuellen Architektur in den Körpermittelpunkt des Darstellers gelegt. Dadurch entsteht eine Bewegungsanalogie zwischen der Choreographie Machiavellis und dem virtuellen Raum.

Den verschiedenen Rollen sind keine festen Darsteller zugeordnet. Vielmehr ruft Machiavelli aus einer Gruppe von vier Darstellern die Akteure auf und weist sie an, in welche der 15 Charaktermasken sie sich zu begeben haben. Um den raschen Wechsel möglich zu machen, also die Schaltfunktion Machiavellis deutlich zum Ausdruck zu bringen, und um einen Bezug zwischen den Darstellern und dem virtuellen Bühnenraum herzustellen, wurde ein Verfahren entwickelt, Kostüme auf die Schauspieler zu projizieren. Die Darsteller werden neben ihrer Rolle als ideologische Projektionsflächen auch zur physischen Projektionsfläche. Sie können sich frei bewegen, auf Geheiß Machiavellis ihre Rolle augenblicklich wechseln und in ihren virtuellen Kostümen unterschiedliche Zustände durchlaufen.

Gesamtleitung: Büro Staubach, Berlin; Konzept und Gestaltung: Prof. Nils Krüger, Bernd Lintermann (Institut für Bildmedien, ZKM Karlsruhe), Joachim Sauter, Jan A. Schroeder, André Werner; Entwicklung Kostümprojektion: André Bernhardt; Entwicklung virtuelle Architektur: Bernd Lintermann; Entwicklung Trackingsystem Machiavelli: Axel Schmidt; Gestaltung Texturen: Andreas Kratky

Eine Produktion der Münchener Biennale in Zusammenarbeit mit dem Büro Staubach Berlin und der ART COM Medientechnologie und Gestaltung AG Berlin sowie mit freundlicher Unterstützung von Simon Penny, Jamieson Schulte.

Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Virtueller Bühnenraum mit Kostümprojektion für die Münchener Biennale, 2002

Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"
Oper: "Marlowe: Der Jude von Malta"